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Vor langer Zeit schob sich Schildkröte langsam
nach Hause und begegnete Serval.
"Hallo guter Freund“, rief Serval. "Wie geht’s,
wie steht’s? Hast du gute Kräuter gefunden?“
"Ach herrje, Serval“, antwortete Schildkröte.
"Es sind schlechte Zeiten. Es hat lange nicht geregnet, die Kräuter sind
trocken wie Heu und schmecken wie Stroh.“
Der quirlige Serval hüpfte auf und ab und tanzte
um Schildkröte herum. Er hatte eine gemeine Idee und scheinheilig lachend
lud er Schildkröte zu sich ein.
"Du armer Kerl. Komm mit mir nach Hause. Ich
mache uns ein feines Abendessen. Aber beeil dich ein wenig.“ Und weg war er.
Dankbar nahm Schildkröte die Einladung an. Aber
auch wenn sie sich beeilte, dauerte es ganz, ganz, ganz schön lange, bis sie
ihr Ziel erreichte. Als sie es schließlich geschafft hatte, machte sich
Serval über sie lustig: "Du meine Güte, Sonnenauf- und Monduntergang
sind dreimal schneller als du. Inzwischen sind alle schönen Blätter aus dem
Kochtopf geflogen und dort oben wieder angewachsen.“ Dabei zeigte er auf das
grüne Laub hoch oben im Baum. Von wegen Abendessen. Rein gar nichts hatte Serval für Schildkröte vorbereitet, nur Spott über ihre Langsamkeit gab es.
Lachend und mit sich sehr zufrieden sprang er davon.
Arme Schildkröte! Nun wurde der Weg zurück
doppelt lang. Dafür gab es genug Zeit um nachzudenken. Einige Wochen später
schickte sie Serval eine Einladung zum Abendessen bei ihr. ‚Donnerwetter,
Schildkröte ist ein feiner Kerl, versteht einen Spaß und ist nicht
nachtragend. Mal sehen, wie ich mir bei ihr den Bauch vollschlagen kann’,
dachte Serval und machte sich auf den Weg.
Wie gesagt, es hatte schon lange nicht mehr
geregnet. Kräuter und Gräser waren strohtrocken. Schildkröte aber wohnte
nahe bei einem Teich. Sie hatte einen breiten Streifen von trockenem Gras
rund um ihr Heim abgebrannt. Durch diesen Streifen verbrannter Erde musste
Serval laufen, um zum schön gedeckten Tisch bei Schildkröte zu gelangen. Es
duftete herrlich, doch Schildkröte rief:
"Halt du Halunke! Wie siehst du denn aus? Kommt
man mit solch schmutzigen Pfoten zu Tisch? Auch dein Fell ist voller
Dreckspritzer. Geh erst zum Teich und wasch dich.“
Schnell lief Serval zum Wasser, wusch sich
ordentlich und rannte zurück. Aber er musste wieder durch den Brandstreifen
laufen, denn für einen Sprung war er zu breit. Schildkröte regte sich wieder
über die Dreckpfoten auf und schickte ihn erneut zum Waschen.
Schildkröte hatte inzwischen alle Zeit, um
genussvoll die leckere Mahlzeit ganz alleine zu genießen, denn Serval
schaffte es einfach nicht, sauber an den Tisch zu kommen. So oft er es auch
versuchte, Schildkröte schickte ihn jedes Mal wieder fort zum Waschen, und
das Essen wurde weniger und weniger. Als Serval den letzten Bissen im Maul
von Schildkröte verschwinden sah, verstand er, dass dies die Strafe für
seine Gemeinheit war. Mit wütendem Fauchen sprang er ein letztes Mal durch
den Streifen und - ließ das Waschen bleiben.
"Das soll dir eine Lehre sein, mein Freund“,
rief ihm Schildkröte nach, und zufrieden zog sie sich für einen guten
Verdauungsschlaf in ihren Panzer zurück.
Seitdem ist das Fell von Serval über und über
mit Flecken gesprenkelt. |