Löwe

Leseprobe Band 2

Serval und Schildkröte

(eine Geschichte der Batswana)

Vor langer Zeit schob sich Schildkröte langsam nach Hause und begegnete Serval.

"Hallo guter Freund“, rief Serval. "Wie geht’s, wie steht’s? Hast du gute Kräuter gefunden?“ "Ach herrje, Serval“, antwortete Schildkröte. "Es sind schlechte Zeiten. Es hat lange nicht geregnet, die Kräuter sind trocken wie Heu und schmecken wie Stroh.“ Der quirlige Serval hüpfte auf und ab und tanzte um Schildkröte herum. Er hatte eine gemeine Idee und scheinheilig lachend lud er Schildkröte zu sich ein. "Du armer Kerl. Komm mit mir nach Hause. Ich mache uns ein feines Abendessen. Aber beeil dich ein wenig.“ Und weg war er. Dankbar nahm Schildkröte die Einladung an. Aber auch wenn sie sich beeilte, dauerte es ganz, ganz, ganz schön lange, bis sie ihr Ziel erreichte. Als sie es schließlich geschafft hatte, machte sich Serval über sie lustig: "Du meine Güte, Sonnenauf- und Monduntergang sind dreimal schneller als du. Inzwischen sind alle schönen Blätter aus dem Kochtopf geflogen und dort oben wieder angewachsen.“ Dabei zeigte er auf das grüne Laub hoch oben im Baum. Von wegen Abendessen. Rein gar nichts hatte Serval für Schildkröte vorbereitet, nur Spott über ihre Langsamkeit gab es. Lachend und mit sich sehr zufrieden sprang er davon. Arme Schildkröte! Nun wurde der Weg zurück doppelt lang. Dafür gab es genug Zeit um nachzudenken. Einige Wochen später schickte sie Serval eine Einladung zum Abendessen bei ihr. ‚Donnerwetter, Schildkröte ist ein feiner Kerl, versteht einen Spaß und ist nicht nach­tragend. Mal sehen, wie ich mir bei ihr den Bauch vollschlagen kann’, dachte Serval und machte sich auf den Weg. Wie gesagt, es hatte schon lange nicht mehr geregnet. Kräuter und Gräser waren stroh­trocken. Schildkröte aber wohnte nahe bei einem Teich. Sie hatte einen breiten Streifen von trockenem Gras rund um ihr Heim abgebrannt. Durch diesen Streifen verbrannter Erde musste Serval laufen, um zum schön gedeckten Tisch bei Schildkröte zu gelangen. Es duftete herrlich, doch Schildkröte rief: "Halt du Halunke! Wie siehst du denn aus? Kommt man mit solch schmutzigen Pfoten zu Tisch? Auch dein Fell ist voller Dreckspritzer. Geh erst zum Teich und wasch dich.“ Schnell lief Serval zum Wasser, wusch sich ordentlich und rannte zurück. Aber er musste wieder durch den Brandstreifen laufen, denn für einen Sprung war er zu breit. Schildkröte regte sich wieder über die Dreckpfoten auf und schickte ihn erneut zum Waschen. Schildkröte hatte inzwischen alle Zeit, um genussvoll die leckere Mahlzeit ganz alleine zu genießen, denn Serval schaffte es einfach nicht, sauber an den Tisch zu kommen. So oft er es auch versuchte, Schildkröte schickte ihn jedes Mal wieder fort zum Waschen, und das Essen wurde weniger und weniger. Als Serval den letzten Bissen im Maul von Schildkröte verschwinden sah, verstand er, dass dies die Strafe für seine Gemeinheit war. Mit wütendem Fauchen sprang er ein letztes Mal durch den Streifen und - ließ das Waschen bleiben. "Das soll dir eine Lehre sein, mein Freund“, rief ihm Schildkröte nach, und zufrieden zog sie sich für einen guten Verdauungsschlaf in ihren Panzer zurück.

Seitdem ist das Fell von Serval über und über mit Flecken gesprenkelt.

Band 2: Als Löwe fliegen konnte...

Als Löwe fliegen konnte...

Wie Stachelschwein zu seinen Stacheln kam

Der englische Bestseller auf Deutsch! 

Aus dem Inhalt

30 weitere neue Tiermärchen aus dem Sagenschatz der Einheimischen im südlichen Afrika mit farbigen und schwarz-weissen Zeichnungen und detaillierten, wissenschaftlichen Informationen.

Fortsetzung von Band 1: Wie Zebra zu seinen Streifen kam...

  • Serval und Schildkröte
  • Wie Serval zu seinen Flecken kam
  • Karakal, Elen und Schakal
  • Warum Mungo Schlangen tötet
  • Warum Fledermäuse nachts fliegen
  • Warum Erdferkel unterirdisch lebt
  • Wie Pangolin zu seinen Schuppen kam
  • Das Herz der kleinen Grünen Meerkatze
  • Warum Affen so menschlich aussehen
  • Was Buschhörnchen lernte
  • Buschhörnchen und Spinnennetz
  • Die Zauberhörner von Kudu
  • Warum Buschbock ein rotes Fell hat
  • Als Löwe fliegen konnte
  • Die Rache des Honiganzeigers
  • Das grosse Wettfliegen der Vögel
  • Krokodil und Hase
  • Python rettet die Tiere
  • Chamäleon und Erster Mann
  • Warum Pillendreher so stark ist
  • ...und andere

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144 Seiten (gebunden) CHF 25.00,  ISBN 978-3-85546-197-4, Verlag Baeschlin

Band 1: Wie Zebra zu seinen Streifen kam...

Mehr zu Band 1 - hier klicken:   Zebra Band 1

Videoausschnitt

Gut gebrüllt, Majestät!

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In diesem zweiten Band sind einige alte Bekannte anzutreffen, allen voran der Löwe, dessen Gebrüll so furchterregend klingt. Der fliegende Löwe mit stolzer Mähne teilt sich seine Hauptrolle als Märchenheld mit nachtaktiven Fledermäusen, cleveren Buschhörnchen und vielen anderen afrikanischen Wildtieren. Auch diese Märchen stammen von den Einheimischen der afrikanischen Länder südlich des Äquators und sind seit Generationen überliefert worden.

Durch zahlreiche Zeichnungen, Landkarten und Hintergrundinformationen zu den Tieren verbinden sich Fakten und Mythologie in diesem Buch besonders anschaulich auf einzigartige Weise. Geheimnisvoll und dunkel, aber auch voller Lebensweisheit und oft mit einem schelmischen Augenzwinkern sind die Geschichten ein Fest für alle, die sich dem afrikanischen Kontinent und seiner Tier- und Mythenwelt verbunden fühlen. Anders als in den uns bekannten europäischen Fabeln ist die Moral in den afrikanischen Märchen eher beiläufig und hintergründig, ganz ohne drohenden Zeigefinger.

Wer sich nach der Lektüre der Märchen auch für den natürlichen Lebensraum der Tiere interessiert, findet dazu viele vertiefende Informationen.